Wildzelten auf einem Trekking-Platz – Teil 1 unserer Wildcamping-Erfahrungen

05.08.2021 08:27

In unserem ersten Blog-Beitrag zum Thema Wildcampen haben wir uns mit den rechtlichen Grundlagen beschäftigt und wie man sein Wildcamping-Abenteuer umsetzen kann. Das Thema fasziniert uns so sehr, dass wir es aber nicht bei der Theorie belassen wollten. Und deshalb haben sich Daniel und Erik kurzerhand dazu entschieden, selbst Wildcampen zu gehen – jeder auf seine eigene Art. Damit auch du etwas davon hast, zeigen wir dir hier die Erfahrungsberichte unserer beider Outdoor-Fans. Teil 1 beginnt mit Eriks Erfahrungen beim Wildcamping im Spessart.

Das Abenteuer

Zusammen mit ein paar guten Freunden ging es mit Sack und Pack in den Spessart. Dort hatten wir zwei Trekkingplätze im Voraus fürs Wochenende gebucht. Wir kamen Freitagnachmittag im Spessart an, wanderten zum ersten Trekking-Platz, um dort zu übernachten und am nächsten Tag ging es zum zweiten Trekking- und Übernachtungsplatz (Pro Trekkingplatz ist nämlich nur eine Übernachtung erlaubt). Sonntag wurde dann noch zum Startpunkt zurückgewandert. Die Krux dabei: Beide Trekkingplätze liegen einen Tagesmarsch auseinander, den wir mit Zelt und Co. bewältigen mussten.

Die Trekkingplätze – bieten alles was man braucht

Beide Trekkingplätze bieten eine Grundausstattung bestehend aus einer Feuerstelle, einem Notfall-Vorrat an Brennholz und einer Komposttoilette. Unser zweiter Platz hat sogar noch einen Tisch mit zwei Sitzbänken zu bieten. Wer mehr Ausstattung braucht muss sich einen Camping-Platz suchen, dort wird man aber mehr als 10 € pro Nacht und Zelt bezahlen müssen.

Trekkingplatz mit Zelten

Komposttoiletten: Von außen ein romantisch anmutendes Holzhäuschen mit einem Herzchen als Luftschleuse. Von innen ein Erdloch, auf das eine Holzkiste mit Klobrille gesetzt wurde. Daran musste ich mich gewöhnen, schließlich war ich nie beim Bund…

Die Lage der Plätze fanden wir alle super. Beide nahe an einem Wanderweg gelegen, aber insgesamt so tief im Wald, dass uns kaum Menschen begegnet sind (Außer die zweite Trekking-Gruppe, mit der wir den zweiten Platz teilten). Mit unserer Routenplaner-App war es übrigens ein Kinderspiel, die Trekkingplätze zu finden. Aber auch mit Wanderkarte und den gut beschilderten Wanderwegen im Spessart kommt man gut zurecht.

Die Verpflegung – weniger ist manchmal mehr

Beim Essen wollten wir auf Nummer Sicher gehen und haben allerhand an Brot, Trockenobst, Energieriegel und Fertigessen mitgebracht. Nächstes Mal würde ich dabei etwas minimalistischer vorgehen, um Packmaß und Gewicht zu reduzieren.

Sehr praktisch waren unsere Fertiggerichte von Forestia, die mit ihrem Heater-Bag ganz einfach zuzubereiten sind. Einfach etwas kaltes Wasser dazu und schon erhitzt sich das Gericht wie von Zauberhand von allein. So konnten wir auf Kocher und Kochtöpfe verzichten – hatten aber auch einiges an Müll durch die Verpackungen mit dabei. Allerdings ist das mit Fertiggerichten wohl kaum zu vermeiden.

Für die kleinen Pausen während unserer Wanderungen hatte ich mir ein paar Chimpanzee-Riegel eingepackt. Man glaubt es kaum, aber schon einer der kleinen Riegel hat gereicht, um mein Aktivitätslevel von Energiesparmodus auf Duracell-Hase hochzuschalten.

Stockbrot am Feuer

Ein Highlight war definitiv unser Stockbrot-Abend am zweiten Trekkingplatz: Um das Lagerfeuer sitzen, dem Stockbrot beim Saunieren zusehen und in stiller Andacht dem Knistern des Feuers und den Waldgeräuschen zuhören – herrlich! Im Gegensatz zur zweiten Trekking-Gruppe hatten wir auch den Dreh raus, was den Stockbrot Teig anging. Dem Teig der anderen konnte man dabei zuschauen, wie er langsam ins Feuer tropfte...

Mein Tipp: Überleg dir genau, was du an Essen brauchst und was nicht. Und nutze die Feuerstellen (falls vorhanden) zur Zubereitung, dann kannst du auf zusätzliche Ausrüstung verzichten.

Wasserversorgung – gut geplant ist halb verdurstet

Um Gewicht zu sparen, hatten wir einen Wasserfilter von Grayl dabei. Mit dem Filter konnten wir aus Bächen und Seen Wasser sammeln und mussten nur einen Grundstock an Trinkwasser mitnehmen. Um nicht zu verdursten, haben wir unsere Wanderrouten an einem Bachlauf orientiert.

Grayl Wasserfilter in action

So viel zur Theorie. In der Praxis haben wir leider erst spät einen geeigneten Bach gefunden, da der eingeplante Bach als Wasserquelle leider komplett ausgetrocknet war. Wie gut, dass uns unsere Wanderung am zweiten Tag durch ein naheliegendes Dorf führte und wir dort unsere Wasservorräte auffüllen konnten. Zwar war das so als Notfallplan einkalkuliert, ein bisschen Trinkwasser zur früheren Stunde hätte aber auch gutgetan.

Mein Tipp: Wer mit einem Wasserfilter unterwegs ist, sollte verlässliche Wasserquellen auf seiner Route einplanen oder einen Notfall-Plan parat haben. Wasser für ein ganzes Wochenende mitzuschleppen, würde ich nicht empfehlen. Schon unser Grundstock an 3 Litern Trinkwasser machte sich deutlich im Gepäck bemerkbar.

Mit verlässlicher Ausrüstung unterwegs

Als Wildcamping-Neulinge waren wir erstaunlich gut ausgerüstet. Jeder hatte die Grundausstattung an Wander- und Übernachtungsausrüstung dabei und dies auch jeweils in einem angenehmen Packmaß. Und auch für den Fall, dass unser Wochenende ins Wasser fällt, waren wir allesamt vorbereitet. Lediglich die günstigeren Isomatten waren etwas dürftig was die Isolierleistung anging und sorgten für den ein oder anderen kalten Rücken in der Nacht. Mit meiner Isomatte von Klymit hatte ich keine derartigen Probleme. Hier meine persönlichen Must-Haves für einen Wildcamping-Trip:

Die Anti-Mücken Sprays habe ich nicht umsonst bei den Must-Haves gelistet. Ohne die Sprays wären wir vermutlich von den Stechmücken aufgefressen worden. Aber selbst die Sprays mit Chemiekeule konnte nicht alle Mückenstiche abwehren. Naja, irgendwann gewöhnten wir uns an das Surren und Jucken an den Beinen.

Zusätzliche Ausrüstung:

Ankunft beim ersten Trekkingplatz

Das Gepäck: Wir hatten alle etwas zu viel an Gewicht dabei, was hauptsächlich der Verpflegung und unseren Zelten zuschulden war. Zugegeben, unsere Zelte waren alles andere als Trekking-tauglich. So baumelten unsere Zelte am Rucksack, um den Hals oder wurden mit den Armen getragen. Für meinen nächsten Wildcamping-Tripp überlege ich mir, entweder eine Hängematte mitzunehmen oder ein Trekking-Zelt, das sich aufgrund des geringen Packmaß in den Rucksack räumen lässt.

Mein Tipp: Lieber etwas mehr Geld in die Qualität der Ausrüstung stecken. Wenn sich die billige Isomatte nicht mehr aufpumpen lässt, oder dein Zelt keinem Regenschauer gewachsen ist, kann es sehr ungemütlich werden. Und beim Wildcampen ist man auf seine mitgebrachten Dinge angewiesen und kann nicht mal schnell irgendwo eine Plane kaufen.

Mein Fazit

Ich wollte schon immer mal Wildcampen, weil ich dachte, dass man damit der Natur besonders nahekommt. Und so war es auch. Wald- und Tiergeräusche begleiteten uns auf Schritt und Tritt und die Wald- und Wiesenluft war Balsam für die Seele. Erst wenn man wieder in die Zivilisation zurückkehrt, werden einem die nervigen Geräusche von Autos, Baustellen und Co. wieder bewusst.

Ich empfehle jedem eine gute Planung im Voraus was die mitgebrachte Ausrüstung, Verpflegung und Wanderroute angeht. Gerade, wenn man in einer Gruppe unterwegs ist, kann man sich bezüglich der Ausrüstung absprechen und so das ein oder andere Gramm an Gepäck sparen. Und jedes Gramm weniger auf den Schultern macht das Abenteuer angenehmer!

Ich hatte riesig Spaß und kann es kaum erwarten, das nächste Wildcamping-Abenteuer zu starten.

Erik von NatureOn


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