Outdoor-Wasserfilter – Einmal ausreichend Trinkwasser für unterwegs bitte, wenn’s geht ohne Dreck und Cholera!

21.12.2020 14:49

Ob für Bergprofis, Wander-Fans, Trailrunning-Spezialisten oder für humanitäre Notsituationen – Outdoor-Wasserfilter sind ein Nice-to-have für Outdoor-Fans und ein Muss für die Wasseraufbereitung in wasserarmen Gebieten. Aber was macht ein Wasserfilter genau, wozu braucht man ihn überhaupt? Und welche Wasserfilter-Varianten gibt es und was sind ihre Vor- und Nachteile? In diesem Beitrag geben wir dir Antworten darauf. Sogar noch mehr: Am Ende listen wir dir all unsere Modelle und deren Spezifikationen auf. Nachdem du diesen Beitrag gelesen hast, weißt du über Wasserfilter Bescheid und kannst dir einen aussuchen, der deinen individuellen Anforderungen gerecht wird.

Wasserfilter – wozu?

Zunächst einmal: Wenn wir hier von Wasserfiltern sprechen, meinen wir Outdoor-Wasserfilter, also mobile Filter für Reisen und für unterwegs. Diese Wasserfilter sind für kleines Gepäck und zur Aufbereitung von verunreinigtem Wasser zu Trinkwasser gemacht.

So, aber wofür brauchst du das, fragst du dich an dieser Stelle? Als Backpacker, der viele Städte bereist, ist die Verwendung solcher Wasserfilter natürlich nur bedingt hilfreich. Es sei denn, du bist in Venedig und riskierst einen Zug des Kloakenwassers (Bäh - besser nicht!). Aber allen Outdoor-Liebhabern, die lange Wanderungen oder mehrtägige Ausflüge in der Natur machen, können Wasserfilter die Tour erleichtern.

Hiker mit Wasserfilter

Schon bei einer stinknormalen Wanderung brauchst du etwas zu Trinken, damit dein Körper nicht schlappmacht. Und wenn‘s dann noch etwas sportlicher wird, du mit mehreren Menschen vielleicht über mehrere Tage unterwegs bist, dann müsstest du einige Wasserflaschen zur Versorgung mit dir schleppen. Wenn du darauf keine Lust hast, könntest du stattdessen einfach einen Wasserfilter mitnehmen und die natürlichen Wasserquellen am Wegesrand zur Wasserversorgung nutzen. Ist deine Tour gut geplant und kommst du an ein paar Seen und Flüssen vorbei, könntest du sogar komplett auf das Mitschleppen von Wasserflaschen verzichten, indem du dir einfach immer so viel mit dem Filter abfüllst, wie du bis zur nächsten Quelle benötigst.

Die für solche Anwendungen erhältlichen Wasserfilter kümmern sich darum, dass Verunreinigungen des Wassers herausgefiltert werden und du das Wasser bedenkenlos trinken kannst. Aber was wird denn genau gefiltert, beziehungsweise: was lauern da potentiell für Verunreinigungen in unseren Gewässern, die unsere Gesundheit gefährden könnten? Hier ein Überblick:

Krankheitserregende Mikroorganismen

Für unsere Gesundheit am gefährlichsten sind Bakterien, Protozoen und Viren - sogenannte Mikroorganismen.

1. Bakterien (Salmonellen, E-coli, Cholera)

Bakterien sind Einzeller einer Größe von 0,2 - 5 Mikron. Sie vermehren sich rasch, wenn das Wasser besonders nährstoffreich ist. Gefährlich werden sie meist dann, wenn sie mit tierischen oder menschlichen Fäkalien ins Wasser gelangen. 

2. Protozoen (Amöbenruhr, Giardia, Lamblien, Kryptosporidien)

Das sind tierische Einzeller, die eine Größe von 1 - 15 Mikron erreichen. Auch sie gelangen über tierische und menschliche Fäkalien in die Gewässer. Ihre harte Außenschale (Zyste) macht sie besonders resistent gegen Umwelteinflüsse. Protozoen verursachen die typischen Magen-Darm-Erkrankungen, die beim Trinken von unbehandeltem Oberflächenwasser gerne mal auftreten.

3. Viren (Hepatitis A, Norwalk-Virus, Rota-Virus, Polio-Virus)

Die besonders kleinen Mikroorganismen (0,02 - 0,2 Mikron) können sich nur in lebenden Zellen vermehren. Sie gelangen wie Bakterien und Protozoen ins unsere Gewässer und haften sich meist an ungelöste Partikel.

Sonstige Verunreinigungen

Es gibt aber noch mehr potentielle Verunreinigungen in unseren Gewässern. Dazu gehören hauptsächlich Partikel, Chemikalien und Schwermetalle.

3. Schwebstoffe, Partikel

Trübes Wasser entsteht durch sogenannte Schwebstoffe – ungelöste Partikel. Meistens sind das ungefährliche Sedimente. Manchmal kann sich darunter aber auch Mikroplastik befinden – also kleine Kunststoffteilchen, die im Trinkwasser nichts zu suchen haben.

4. Chemikalien

Durch die Landwirtschaft und Industrie können Pestizide, Herbizide oder andere Chemikalien im Grundwasser landen und in unsere Oberflächengewässer geschwemmt werden.

5. Schwermetalle

Schwermetalle befinden sich in unserer Erdkruste und werden durch den Regen in unser Grundwasser geleitet.

Grundsätzliches zur Wasserqualität und Wasserverwendung

Bevor du jetzt alle romantischen Gedanken an das Trinken aus natürlichen Wasserquellen verwirfst, sei gesagt: Nicht in jedem Gewässer sind die oben aufgeführten Verunreinigungen zu finden - schon gar nicht in deutschen Fließgewässern. Es kommt stark auf die Wasserquelle an, wie verunreinigt eine Quelle ist. Grundsätzlich gilt: Fließende und klare Gewässer sind stehenden und trüben zu bevorzugen. Und wenn du schonmal aus Oberflächengewässern trinkst, dann schau doch mal um dich, ob sich im Wasser irgendwelcher Müll, Lebensmittelreste oder sogar ein totes Tier befindet. Solche Gewässer sollte man meiden bzw. bei Flüssen oberhalb dieser Gefahrenquellen trinken.

Was auch immer hilft: Das Wasser abzukochen. Aber aufgepasst - damit entfernt man nicht alle Chemikalien und keine Schwermetalle oder Schwebstoffe. Deshalb macht es immer auch Sinn, einen Wasserfilter mitzuverweden. Manch einer wird vielleicht auch keinen Kocher zum Abkochen parat haben.

Wasserfilter-Technologien – welche gibt’s und was sind deren Vor- und Nachteile?

Die Outdoor-Wasserfilter sind nun dazu da, möglichst viele dieser Verunreinigungen aus dem Wasser zu filtern, um es trinkbar zu machen. Hierfür gibt es verschiedene Technologien. Grundsätzlich unterscheidet man die Mikrofilter (mechanische Filterung) und die Desinfektion.

Mikrofilter

Mikrofilter filtern das Wasser auf mechanische Weise. Die Poren des Filters sind so groß, dass Wasser hindurchfließen kann und so klein, dass Keime zurückgehalten werden. Mit diesen Filtern lassen sich je nach Filtermodell die meisten Bakterien, Protozoen und sonstigen Verunreinigungen entfernen. Nur bei den kleinsten Keimen, den Viren, kommt es auf das Filtermodell an. Als Filtermaterialien kommen Keramik, Glasfasern, Hohlfasern und Aktivkohle in Frage.

1. Keramik-Wasserfilter

Keramikfilter

+ Können mehrfach gereinigt und dadurch lange benutzt werden
+ Für trübes Wasser geeignet
+ Messbare Filterkapazität
+ Bakterienwachstum wird durch Silber im Filterelement verhindert
- Hoher Preis
- Nicht besonders leicht
- Hoher Pumpaufwand

2. Glasfaser-Wasserfilter

Katadyn Hiker Pro

+ Niedriges Gewicht
+ Niedriger Preis
+ Geringer Pumpaufwand
+ Hohes Rückhaltevermögen durch große Oberfläche auf kleinstem Raum
- Geringe Filterkapazität
- Keine Reinigung möglich

3. Hohlfaser-Wasserfilter

Lifestraw und Katadyn BeFree

+ Sehr niedriges Gewicht
+ Niedriger Preis
+ Einfache Reinigung
+ Hohe Durchflussrate
- Kann bei Minustemperaturen nicht benutzt werden

4. Aktivkohle-Wasserfilter

Lifestraw und Grayl

+ Verbessert den Geschmack von Wasser
+ Ist nachfüllbar
-  Wirkt alleine nur bedingt gegen Keime

Desinfektion

Im Unterschied zur mechanischen Filterung werden die Keime bei der Desinfektion nicht herausgefiltert, sondern abgetötet. Man behandelt verunreinigtes Wasser also soweit, bis keine lebenden Keime mehr vorhanden sind, die Krankheiten übertragen können. Dafür eignet sich die Behandlung mit ultraviolettem Licht (UV) sowie eine chemische Behandlung mit Chlor, Jod, Silber, etc. oder durch Ionenaustausch.

5. UV-Wasserentkeimer

Steripen

+ Niedriger Preis
+ Geringes Packmaß und Gewicht
+ Einfache Anwendung
- Nur in klarem Wasser anwendbar
- Schutzpartikel und Sedimente werden nicht gefiltert
- Benötigt Batterien

6. Chemische Aufbereitung

Micropur

+ Niedriger Preis
+ Geringes Packmaß und Gewicht
+ Einfache Anwendung
- Wartezeit von bis zu 2 Stunden
- Je nach Mittel kann ein leichter Chlorgeschmack im Wasser entstehen
- Nur in klarem Wasser anwendbar
- Schutzpartikel und Sedimente werden nicht gefiltert

Sowohl die mechanische als auch die desinfizierende Aufbereitung von verunreinigtem Wasser haben ihre Vor- und Nachteile. Es kommt auch einfach auf das jeweilige Filtermodell und das benutzte chemische Mittel an. Man kann aber schon sagen, dass die Desinfektion ein sicheres Mittel darstellt, um sämtliche Keime im Wasser zu eliminieren. Mechanische Mikrofilter kommen bei Viren an ihre Grenzen, wobei es da auch Ausnahmen gibt. Andererseits können durch Mikrofilter auch der Geschmack verbessert und die Trübung vermindert werden. Mach dir hier am besten ein eigenes Bild der Wirkungsweise unserer Wasserfilter und Entkeimer (Angaben entsprechen den Herstellerangaben).

Alle unserer Outdoor-Wasserfilter filtern, neben weiteren Verunreinigungen, zuverlässig (Mindestens 99,9%) Bakterien und Protozoen aus dem Wasser heraus. Diese beiden Keime sind die am häufigsten vorkommenden Verunreinigungen im Wasser. Deshalb bietet jeder unserer Filter eine zuverlässige Aufbereitung zu Trinkwasser. Aber auch für Abenteurer, die Expeditionen in andere Länder vornehmen und auch gegen Viren ausreichend Schutz benötigen, gibt es einige Varianten!

Übersicht Wasserfilter Varianten
*Anmerkung: Mithilfe der meisten Mikrofilter kann nicht gewährleistet werden, dass alle Viren zuverlässig aus dem Wasser gefiltert werden. Da Viren aber oft an Partikeln haften, welche von den Mikrofiltern zurückgehalten werden, können durch diese Filter grundsätzlich auch Viren gefiltert werden – wenn auch nicht garantiert.

Welche Outdoor Wasserfilter für welche Anwendungen?

So, du weißt nun, wozu Outdoor-Wasserfilter gut sind und welche Varianten es gibt. Aber welcher ist jetzt der Richtige für dein Trekking-Abenteuer, deinen Pilgerweg oder deine Flucht auf eine einsame Insel?

Es ist nicht ganz einfach, pauschale Aussagen zur Anwendung verschiedener Wasserfilter und Aufbereitungen zu machen. Neben der Filterwirkung spielen bei Outdoor-Ausflügen nämlich auch Kriterien wie Packmaß, Robustheit und Lebensdauer eine wichtige Rolle. Festzuhalten ist, dass die chemische Aufbereitung und UV-Behandung nur in klarem Wasser Sinn macht. Ansonsten ist eine ausreichend effektive Desinfektion nicht möglich (aufgrund der Partikel, die den Desinfektionsvorgang erschweren). Deshalb sind vorgelagerte Filter gegen Partikel und Sedimente hier zu empfehlen.

Wir haben unsere Produkte in vier Kategorien eingeteilt. Diese Einteilung haben wir selbst definiert, da jeder Hersteller natürlich seine eigenen Produkte und Einteilungen mitbringt. Deswegen handelt es sich um eine subjektive Einteilung unsererseits, die nicht festgemauert ist, die dir aber eine Orientierung zu den Anwendungszwecken der verschiedenen Produkten bietet.

1. Day-Trip

Unter die Kategorie Day-Trip fallen all unsere Wasserfilter, die für den gelegentlichen Gebrauch bei Tagesausflügen optimal sind. Sie sind besonders praktisch in der Anwendung und filtern einige Keime und Verunreinigungen aus dem Oberflächenwasser heraus. Perfekt, um sich ab und zu mit Trinkwasser zu versorgen, ohne komplett darauf angewiesen zu sein.

- Katadyn BeFree1,0 und 3,0 L, Lifestraw Personal, Lifestraw Go, Lifestraw Gravity Bag, Lifestraw Universal -

2. Trekking

Trekking-Wasserentkeimer stehen für zuverlässige Wasseraufbereiter, die über mehrere Tage bis Wochen die meisten Keime und Verunreinigungen beseitigen. Trotz hochwertigen Materialien, sind sie handlich zu transportieren.

- Katadyn Vario, Katadyn Hiker Pro, Grayl Classic, Grayl ultralight, Steripen Aqua & ultralight, Micropur Classic & Forte -

3. Expedition

Hierunter fallen Wasserfilter, die besonders robust und zuverlässig sind. Die Filter können gereinigt werden und besitzen deshalb eine lange Lebensdauer. Das ist besonders bei längeren Expeditionen ganz wichtig. Man möchte ja nicht, dass ein Filter unterwegs plötzlich das Zeitliche segnet und nicht mehr zum Wasser filtern taugt. Nicht zu vergessen: Auch diese Wasserfilter filtern den Großteil an Keimen und Verunreinigungen heraus.

- Katadyn Pocket, Katadyn Combi -

4. Community

Die Community-Produkte sind für den Gebrauch von mehreren Personen gemacht. Sie können zur Versorgung kleiner Gruppen bis zur Versorgung von Dörfern benutzt werden. Gerade in der Notversorgung in Krisengebieten oder bei Wassernotstand werden diese Systeme eingesetzt.

- Lifestraw Mission, Lifestraw Community -

Wichtiger Hinweis: Je nach Region auf unserem Planeten ist die Wasserqualität mal mehr, mal weniger kritisch. Es ist deshalb immer zu empfehlen, aus möglichst sauberen Quellen zu trinken. In besonders kritischen Regionen mit mangelhafter Wasserqualität ist eine Kombination verschiedener Wasserfilter und Entkeimer die beste Lösung. Nutze dort am besten einen qualitativ hochwertigen Mikrofilter in Kombination mit einer chemischen Aufbereitung des Wassers!
 


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